Bei der Kipptisch-Untersuchung oder dem tilt table test
wird die Kreislaufregulation untersucht, das heißt das Zusam-
menspiel von Puls, Blutdruck, Gefäßwiderstand und deren
Regulierung durch das vegetative - dem Einfluss des Willens
nicht untergeordnete - Nervensystem. Dazu wird der Patient nach einer Ruhephase auf einer kippbaren Liege ca. 45 Minuten lang in eine Schräglage (70°) gebracht.

Wann ist die Untersuchung notwendig?

Die Untersuchung wird bei Patienten durchgeführt, die schwerwiegende oder sehr häufige Ohnmachtsanfälle (Synkopen) erleiden, deren Ursache mit den üblichen Untersuchungsmethoden nicht geklärt werden kann.

Der häufigste Grund für einen Ohnmachtsanfall ist eine Kreislauffehlsteuerung (vasovagale Dysregulation) oder eine Fehlsteuerung in der Nervenversorgung des Herzens (neuro-
kardiogene Synkope). Solche Ohnmachtsanfälle treten im Jugendalter sehr häufig auf (bei Mädchen sehr viel häufiger,
als bei Jungen); die Neigung dazu verliert sich in der Regel
am Ende der pubertären Entwicklung.

Es gibt jedoch auch eine Vielzahl anderer Leiden, welche zur Bewusstlosigkeit führen können. Mit der Kipptisch-Untersuchung kann eine Kreislauffehlsteuerung von anderen Störungen abgegrenzt werden.

Diese sehr spezielle und erheblich zeitaufwändige Untersuchung wird in meiner Praxis nicht durchgeführt. Wenn die Untersuchung für notwendig erachtet wird, werden die Patienten gezielt in ein übergeordnetes Zentrum überwiesen.

Der für diese Untersuchung notwendige technische Aufwand wird auf der nebenstehenden Abbildung deutlich, welche mir freundlicherweise von Herrn Oberarzt Dr. med. Martin Lewin († 2016) aus dem Zentrum für angeborene Herzfehler im Olgahospital Stuttgart zur Verfügung gestellt wurde.

Weiterführende Literatur in deutscher Sprache:
  • Kardiovaskuläre Ursachen anfallsverdächtiger
    Ereignisse im Kindesalter
    Heike Schneider, Thomas Kriebel, Thomas Paul
    Kinderärztliche Praxis 79, 101-108 (2008) Nr. 2
    © Kirchheim-Verlag Mainz 

Weiterführende Literatur in englischer Sprache:


www.escardio.org/Guidelines/Clinical-Practice-Guidelines/Syncope-Guidelines-on-Diagnosis-and-Management-of
  • European Heart Journal (2009) 30, 2631?2671
  • Guidelines for the diagnosis and management of syncope (version 2009)
  • The Task Force for the Diagnosis and Management of Syncope of the European Society of Cardiology (ESC)
  • Common patterns of response to the head-up tilt test in children and adolescents.
    Arnulf Boysen, Martin A.G. Lewin, Frank Uhlemann
    Centre for Congenital Heart Disease, Klinikum Stuttgart Olgahospital, Germany
    Cardiol Young 2006; 16: 537-539

  • Randomized comparison of metoprolol versus conventional treatment in preventing recurrence of vasovagal syncope in children and adolescents. Zhang Q, Jin H, Wang L, Chen J, Tang C, Du J. Department of Pediatrics, Peking University First Hospital, and Key Laboratory of Molecular Cardiovascular Sciences, Ministry of Education, Beijing, China.
    Med Sci Monit. 2008 Apr;14(4):CR199-203.

  • Physiologic neurocirculatory patterns in the head-up tilt test in children with orthostatic intolerance.
    Qingyou Z, Karmane SI, Junbao D.
    Department of Pediatrics, Peking University First Hospital, Key Laboratory of Molecular Cardiovascular Sciences, Ministry of Education, Beijing, China.
    Pediatr Int. 2008 Apr;50(2):195-8
Untersuchungsliege für die Kipptisch-Untersuchung

Untersuchungsaufbau zur
Kipptisch-Untersuchung,

mit freundlicher Genehmigung von Herrn Oberarzt Dr. med. M. Lewin († 2016), Zentrum für angeborene Herzfehler
im Olgahospital Stuttgart